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Job Rotation auf Führungsebene – ein Perspektivwechsel, der vieles verändern könnte

4. Okt.
3 Min. Lesezeit

Lange Schlangen, hungrige Gesichter, ungeduldige Blicke und ich mittendrin, am Grillstand und im Verkaufswagen von guten Freunden, so wie ich es immer wieder tue, wenn auf öffentlichen Veranstaltungen helfende Hände gebraucht werden. Und jedes Mal öffnet mir diese ehrliche Arbeit aufs Neue die Augen.

Es ist körperliche Arbeit. Stundenlang stehen, anpacken, den Kopf bei der Sache haben, während gleichzeitig zehn Dinge auf einmal passieren. Es ist mentale Arbeit. Freundlich bleiben, auch wenn die Schlange lang ist und die Laune der Wartenden manchmal alles andere als freundlich. Man wird entlohnt für ehrliche, harte Arbeit. Man leistet etwas, ganz direkt, ganz greifbar und bekommt dafür Geld. Kein Meeting, keine Präsentation dazwischen. Nur die Arbeit selbst.

Und genau da entsteht etwas, das sich durch keine Mitarbeiterbefragung ersetzen lässt: echtes Verständnis für die Menschen, die diese Arbeit jeden Tag machen. Für das Personal. Für die Verkäufer:innen. Für alle, die an vorderster Front stehen, während andere über sie entscheiden, ohne je selbst dort gestanden zu haben.

Kennst du das Gefühl, an der Kasse im Supermarkt zu stehen, schon genervt, bevor überhaupt etwas passiert ist? Der Verkäufer verrechnet sich, versteht eine Frage nicht richtig, und du reagierst genervt, ungeduldig, vielleicht sogar schnippisch. Wie der Ruf in den Wald schallt, so schallt es zurück. Ich glaube, wir haben als Gesellschaft ein Stück weit verlernt, diese Verbindung zu sehen. Jeder von uns möchte freundlich bedient werden, verständnisvoll behandelt werden, gesehen werden in dem, was man gerade leistet. Und gleichzeitig bringen wir genau das immer seltener selbst mit.

Dieses Prinzip gilt nicht nur zwischen Kunde und Verkäufer. Es gilt genauso zwischen Führungsebene und Team.

Vielleicht erinnerst du dich an die Fernsehformate, in denen Geschäftsführer inkognito in die Rolle ihrer eigenen Mitarbeiter geschlüpft sind. Ein paar Tage an der Kasse, am Fließband, im direkten Kundenkontakt ohne dass jemand wusste, wer da eigentlich gerade mitarbeitet. Und danach? Andere Entscheidungen. Andere Prozesse. Weil plötzlich echtes Verständnis da war, statt nur Zahlen auf einem Bericht.

Das bedeutet für mich Job Rotation auf Führungsebene. Nicht unter Kolleg:innen, die ohnehin ähnliche Perspektiven teilen, sondern die Führungsebene selbst, die für einen Moment die Position wechselt und wirklich mit anpackt.

Du willst führen? Dann schlüpf in die Rolle deines Angestellten.

Und jetzt höre ich schon den Einwand: "Aber ich frage meine Mitarbeiter doch, was sie brauchen. Ich gehe auf ihre Wünsche ein." Das reicht nicht. Eine Frage zu stellen ist nicht dasselbe wie zu verstehen. Wie viel Hands-on-Mentalität bringst du deinem Team wirklich entgegen? Du erwartest, dass sie für dich arbeiten, aber wie viel gibst du wirklich für sie?

Oben zu sitzen und zu fragen, ist ein guter erster Schritt, aber für sich allein noch keine Führungsqualität. Führung bedeutet, wirklich für die Menschen da zu sein, die man führt. Sie dürfen spüren, dass du sie anleitest, dass du sie verstehst, dass du sie trägst und nicht nur aus der Distanz verwaltest.

Das braucht zwei Dinge, die sich niemand von außen verordnen lässt: echte Selbstreflexion und echte Empathie. Ohne diese beiden wird auch der beste Perspektivwechsel zur reinen Show. Mit ihnen wird er zu etwas, das ein ganzes Team verändern kann.

Bevor du also die nächsten Prozesse optimierst, bevor du wieder nur auf die Zahlen schaust, schlüpf einmal in die Arbeit derer, über die du sonst bestimmst. Ich glaube, dieser eine Perspektivwechsel würde uns allen in der Arbeitswelt und darüber hinaus in der gesamten Gesellschaft guttun. Weniger Egoismus, mehr Dienst am anderen.

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Manuela Knoch Heilpraktikerin f. Psychotherapie | THE INNERSHIFT STUDIO

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© 2026 by Manuela Knoch. Pics by Lisa Lewin.

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